Boxen als Denk-Sport

Projektmanagement lernen – am besten von Kampfsportlern

Als Jugend­li­cher hat­te ich mein Zim­mer mit Pos­tern von Rocky I, II, III und IV tape­ziert. Schon damals begeis­ter­te mich die Sport­art Boxen. Vie­le Jah­re spä­ter war die Fas­zi­na­ti­on noch immer stark. Nach­dem ich mei­ner Frau immer wie­der vor­ge­schwärmt hat­te, wie ger­ne ich ein­mal an einem Box­trai­ning teil­neh­men möch­te, mach­te sie es schließ­lich mög­lich: Sie schenk­te mir ein ganz spe­zi­el­les Semi­nar für Manager.

Boxen für Manager

Die­ses Semi­nar war eine Mischung aus Box­trai­ning mit einer Ver­zah­nung zum Busi­ness. Boxen für Mana­ger also. Durch­ge­führt wur­de die­ses ein­zig­ar­ti­ge Semi­nar von zwei Trai­nern par­al­lel – einem Box­trai­ner und einem Busi­ness­coach.
Der Teil­neh­mer­kreis war extrem begrenzt. Ein Box­ring hat vier Ecken, und es gab pro Ecke einen Teil­neh­mer. Wir waren also zu viert: Ein Arzt, ein Anwalt, ein Team­lei­ter und ich.

Die­ses Semi­nar hin­ter­ließ bei mir einen nach­hal­ti­gen Ein­druck, der gott­lob nicht mei­ne Nase betraf. Naja – knapp nicht… ich kann näm­lich nicht behaup­ten, dass ich kei­nen Schlag abbe­kom­men hät­te. Doch dazu etwas wei­ter unten.

Was hat das Semi­nar gebracht? Neben der Erfah­rung, dass Boxen deut­lich inten­si­ver und anstren­gen­der ist, als ich es mir vor­ge­stellt hat­te, durf­te ich noch etwas Ande­res – nicht All­täg­li­ches – erle­ben: Ich lern­te das Gefühl ken­nen, einen ande­ren Men­schen zu schlagen.

Die größ­te Erfah­rung für mich war es jedoch zu erle­ben, wie ganz­heit­lich Boxer den­ken. Ja, den­ken müssen.

Was ich mei­ne, ist schnell erklärt. Mei­ne Auf­ga­be war es zum Bei­spiel, eine Schlag-Dublet­te aus­zu­füh­ren und auf die soge­nann­ten Prat­zen ein­zu­schla­gen.

Wäh­rend ich mich noch auf die Aus­füh­rung der Dublet­te kon­zen­trier­te, bekam ich vom Trai­ner einen Schlag an den Kopf. Mit der Bemer­kung: „Noch mal.“
Ich wie­der­hol­te also die Dublet­te, wie­der­um mit dem glei­chen Ergeb­nis: Ich bekam einen Schlag gegen den Kopf. Und wie­der der Kom­men­tar vom Trai­ner: „Noch mal.“

Nun ist es bekannt­lich so, dass man mit immer glei­chen Aktio­nen immer glei­che Ergeb­nis­se erzielt. Doch trotz die­ses Wis­sens blieb mir eine wei­te­re Abrei­bung nicht erspart. Beim drit­ten Mal war es wie­der das glei­che. Dublet­te – Schlag gegen den Kopf.

Mannschaftssport vs. Kampfsport – die Unterschiede

Der Trai­ner grins­te mich an. „Bist du ein Mann­schafts­sport­ler? Hand­ball, Fuß­ball? Bas­ket­ball viel­leicht?“ Ich nick­te. Tat­säch­lich hat­te ich in mei­ner Jugend Hand­ball gespielt und war rela­tiv ver­wun­dert, wie er zu die­ser Ein­schät­zung kam.
Sei­ne Erläu­te­rung war für mich nicht nur aus sport­li­cher Sicht span­nend. Boxer, so sag­te er, haben eine Fer­tig­keit, die Mann­schafts­sport­lern gemein­hin fehlt: Sie haben nicht nur die Vor­aus­sicht, son­dern den­ken und reagie­ren auch auf meh­re­ren Ebe­nen parallel.

Soll hei­ßen: Wäh­rend sie den einen Schlag aus­füh­ren, den­ken sie schon an den nächs­ten. Und nicht nur das – sie über­le­gen sich auch gleich­zei­tig, wel­chen Angriff ihr Geg­ner even­tu­ell machen könn­te und wie sie sich davor schüt­zen kön­nen. Weil beim Boxen die Ereig­nis­se und Aktio­nen inein­an­der übergreifen.

Im Unter­schied dazu kommt bei Mann­schafts­sport­lern ein Ereig­nis nach dem nächs­ten. Beim Fuß­ball zum Bei­spiel muss eine Akti­on erst been­det sein, bevor die nächs­te statt­fin­den kann – man schießt aufs Tor und kon­zen­triert sich erst dann auf den Rück­zug in die eige­ne Hälfte.

Es gibt nur einen Ball, der logi­scher­wei­se immer nur an einer Stel­le sein kann.

Das Den­ken eines Mann­schafts­sport­lers ist also line­ar, das eines Kampf­sport­lers ist immer mehrdimensional.

 

Boxen als perfektes Training fürs Projektmanagement

Die­se Erkennt­nis aus dem Box­sport lässt sich sehr gut aufs Pro­jekt­ma­nage­ment über­tra­gen: Idea­ler­wei­se che­cken wir zuerst, wel­che Aus­wir­kun­gen wel­che Aktio­nen haben kön­nen, bevor wir los­le­gen. Es ist wich­tig im Auge zu behal­ten, wie wir Feh­ler ver­mei­den. Und wir soll­ten im Fall, dass doch etwas schief­geht, schnell ein­grei­fen kön­nen. Klei­nig­kei­ten sind wich­tig, eben­so wie im Box­sport. Denn auch bei einem Pro­jekt kann eine klei­ne Unacht­sam­keit schnell ins Auge gehen und gro­ße Pro­ble­me oder Kos­ten verursachen.

Boxer müs­sen auf unzäh­li­ge Klei­nig­kei­ten ach­ten – sei es die rich­ti­ge Schlag­kom­bi­na­ti­on, sei es, den Geg­ner im Auge zu behal­ten, sei es, den nächs­ten Schlag zu pla­nen, sei es, die rich­ti­ge Bein­stel­lung zu haben und die größ­te Hebel­wir­kung zu erreichen.

Ein Groß­teil die­ser Klei­nig­kei­ten ist bald schon auto­ma­ti­siert – und so soll­te es auch im Pro­jekt­ma­nage­ment lau­fen. Vie­les wird auto­ma­tisch kon­trol­liert, jede Bewe­gung, jede Ände­rung wird durch eine Gegen­be­we­gung oder durch ein Aus­gleichs­ma­nö­ver ange­passt. So bleibt das Pro­jekt immer bes­tens abge­si­chert, oder – um beim Boxen zu blei­ben – wir erspa­ren uns dadurch den nächs­ten Schlag gegen den Kopf.

In die­sem Sin­ne: Schau­en wir uns bei unse­rem nächs­ten Pro­jekt ruhig mal ein paar Sachen vom Kampf­sport ab!

Ihr Andre­as Klement

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