Schachmatt in der Projektarbeit oder doch lieber Strategie?

Strategie – was ist das?

Spie­len Sie Schach? Ja? Sehr gut! Nein? Soll­ten Sie!

Die­ses Brett­spiel gehört zu den bekann­tes­ten tak­ti­schen und stra­te­gi­schen Spie­len über­haupt. Haben Sie erst ein­mal die span­nen­de und oft schon alles ent­schei­den­de Eröff­nungs­pha­se hin­ter sich, dann über­schrei­ten Sie auf eine sub­ti­le Wei­se die Gren­ze des Bekann­ten und tre­ten in den mitt­le­ren Abschnitt ein.

Sie fra­gen sich viel­leicht nun: Was nutzt mir die­ses Wis­sen in mei­nem beruf­li­chen Denken?
Wenn Sie bei­spiels­wei­se im Pro­jekt­ma­nage­ment tätig sind: jede Men­ge! Soviel nur zum Ein­stieg in unse­re Mate­rie. Doch nun las­sen Sie uns starten!

Was haben Schach und Projektmanagement gemeinsam?

Eine Fra­ge stellt man sich im Schach häu­fig: Wie vie­le Züge den­ken Groß­meis­ter wohl vor­aus? Fach­leu­te sind der Ansicht, dass die Fra­ge­stel­lung voll­kom­men in die fal­sche Rich­tung zielt. Spie­ler die­ses For­mats geben sich nicht mit ein­zel­nen Figu­ren ab wie Hob­by­spie­ler. Sie sehen viel­mehr das gro­ße Gan­ze, das Mus­ter. Um einen Meis­ter zu zitie­ren: „Wenn dein Geg­ner sechs Züge im Vor­aus denkt und du sie­ben, dann ist das schon genug.“

Ähn­lich ist es im Pro­jekt­ma­nage­ment: Sie ken­nen Ihr Ziel und sehen sich zunächst das gro­ße Gan­ze an. Was braucht es alles, um das Ziel zu errei­chen? Sie ver­schaf­fen sich also erst­mal einen Über­blick und erst dann, wenn Sie den haben, geht es in die Detailplanung.

Sieg oder Niederlage?

In der End­pha­se, die über Sieg und Nie­der­la­ge ent­schei­det, aller­dings wird das Vor­aus­den­ken auch im Schach rele­vant. Wenn sich das Feld der Figu­ren gelich­tet hat, müs­sen Meis­ter­spie­ler in der Lage sein, sehr weit vor­aus­zu­den­ken und auch meh­re­re ver­schie­de­ne Sze­na­ri­en gleich­zei­tig zu verfolgen.

Und auch hier kön­nen wir wie­der Par­al­le­len zum Pro­jekt­ma­nage­ment fin­den: Wenn Sie über die Betrach­tung von oben hin­aus sind, müs­sen Sie natür­lich auch an die Details denken.

Und die­se Details schlie­ßen nicht nur die Arbeits­pa­ke­te und Mei­len­stei­ne mit ein, son­dern auch mög­li­che Risi­ken. Alles, was Sie im Vor­aus beden­ken kön­nen, wird sehr wahr­schein­lich nicht so gro­ße Aus­wir­kun­gen haben, dass es Sie und Ihr Pro­jekt schach­matt setzt. Natür­lich kön­nen Sie nicht an alles den­ken, das jemals irgend­wie pas­sie­ren könn­te. Aber je mehr poten­ti­el­le Risi­ken Sie jedoch beden­ken und ein­pla­nen bzw. schon vor­ab ver­beu­gen­de Maß­nah­men über­le­gen und imple­men­tie­ren, umso mehr sind Sie qua­si die Dame für Ihren König: eine schüt­zen­de Hand für Ihr Projekt.
<h2“>Ungeahnte Dimensionen

Man kann gar nicht erah­nen, was sich hin­ter den 64 Schach­fel­dern an Mög­lich­kei­ten auf­tut. Wie kom­plex allein ein nack­tes Schach­brett schon sein kann, lässt sich am bekann­ten Schach­brett-Gleich­nis erken­nen (sie­he Kas­ten). Wenn man die­ses Schach­brett dann noch mit Figu­ren bestückt, die ihrer­seits wie­der­um jeweils ver­schie­de­ne Züge in ver­schie­de­ne Rich­tun­gen machen kön­nen – und das auch noch auf ver­schie­de­nen Posi­tio­nen – dann wird die wah­re Dimen­si­on des Spiels etwas kla­rer. Schon nach dem zehn­ten Zug geht die Anzahl der mög­li­chen Situa­tio­nen, die sich durch einen ein­zi­gen wei­te­ren Zug erge­ben, in die Billionen.

Wenn Sie sich im Pro­jekt­ma­nage­ment Ihre Pro­jekt­um­welt anse­hen, haben Sie es viel­leicht nicht mit Bil­lio­nen Mög­lich­kei­ten zu tun, aber doch mit mehr Figu­ren als man ursprüng­lich anneh­men könn­te. Da gibt es nicht nur die betei­lig­ten und betrof­fe­nen Per­so­nen in Ihrem Unter­neh­men und Ihre Auf­trag­ge­ber, son­dern auch vie­le Per­so­nen außer­halb die­ses Krei­ses: Mit­be­wer­ber, die Medi­en, die Poli­tik, die Öffent­lich­keit, je nach Pro­jekt auch Bewoh­ner und Anrai­ner, etc.

Da jeman­den zu ver­ges­sen und ihn hin­sicht­lich mög­li­cher Aus­wir­kun­gen auf Ihr Pro­jekt nicht zu beden­ken, kann fatal sein. Schachmatt!

Schnell, schneller, Schach

Ent­ge­gen dem Anschein ist Schach wahr­schein­lich eines der schnells­ten Spie­le über­haupt – auf jeden Fall dann, wenn man sich über­legt, wie vie­le Alter­na­ti­ven ein Meis­ter­spie­ler vor dem inne­ren Auge haben muss. Er muss durch­ge­hend zeit­gleich ver­schie­de­ne alter­na­ti­ve Spiel­zü­ge gründ­lich ana­ly­sie­ren und muss dabei auch noch die mög­li­chen und vor­aus­sicht­li­chen Reak­tio­nen sei­nes Geg­ners im Auge behalten.

Sein Instinkt muss so scharf aus­ge­prägt sein, dass er spürt, wie sich das Spiel ent­wi­ckeln könn­te. Und all dies geschieht unter Zeit­druck – denn die Schach­uhr tickt unbestechlich!

In Ihrem Pro­jekt wird es ver­mut­lich nicht anders ablau­fen. Zumal es wohl kaum ein Pro­jekt gibt, bei dem es nicht irgend­wann zumin­dest eng wird, weil der Zeit­plan in Gefahr ist. Bei vie­len wird der Zeit­plan nicht nur gefähr­det sein, son­dern Sie wer­den tat­säch­lich in Ver­zug gera­ten. Und gera­de dann muss es natür­lich schnell gehen. Wäh­rend Sie also schon mit­ten im Stress sind, müs­sen Sie den­noch – oder erst recht – scharf­sin­nig und stra­te­gisch vor­ge­hen, um noch grö­ße­re Defi­zi­te zu vermeiden.

Schachmatt

Fres­sen oder gefres­sen wer­den … das klingt bru­tal, aber ist nicht nur beim Schach der Fall. Oft geht es im Pro­jekt­ma­nage­ment genau um das: Sie sind drin­nen oder drau­ßen! Wenn Sie Ihr Ziel nicht, nur teil­wei­se, nicht zeit­ge­recht oder nur über Bud­get errei­chen, kann das Sie – oder das Unter­neh­men, in dem Sie arbei­ten – viel Geld kos­ten. Und es kann auch einen Kun­den kos­ten, denn ein nächs­tes Pro­jekt wer­den Sie unter sol­chen Umstän­den mit Sicher­heit nicht mehr bekommen.

Daher: Spie­len Sie Schach und schu­len Sie Ihr stra­te­gi­sches, ziel- und lösungs­ori­en­tier­tes Den­ken und Han­deln. Und haben Sie Spaß dabei!

Das Schachbrett-Gleichnis

Es war ein­mal ein Unter­tan, der dem König ein Schach­brett schenk­te. Der König war sehr dank­bar über den Zeit­ver­treib. Also sprach er zu sei­nem Höf­ling: „Sag mir, wie ich dich zum Dank für die­ses wun­der­schö­ne Geschenk beloh­nen kann. Ich wer­de dir jeden Wunsch erfüllen.“

Der Unter­tan erwi­der­te: „Ich wün­sche mir, dass Ihr das Schach­brett mit Reis auf­füllt. Legt ein Reis­korn auf das ers­te Feld, und dann auf jedes wei­te­re Feld stets die dop­pel­te Anzahl an Kör­nern. Also zwei Reis­kör­ner auf das zwei­te Feld, vier Reis­kör­ner auf das drit­te, acht auf das vier­te und so weiter.“

Der König war erstaunt. „Der Wunsch wird dir auf der Stel­le erfüllt.“

Also tra­ten Die­ner mit einem Sack Reis her­bei und schick­ten sich an, die Fel­der auf dem Schach­brett wie gehei­ßen zu fül­len. Bald stell­ten sie fest, dass ein Sack Reis nicht aus­rei­chen wür­de und lie­ßen noch mehr Säcke bringen.

64 Fel­der hat ein Schach­spiel. Schon das zehn­te Feld muss­te mit 512 Kör­nern gefüllt wer­den. Beim 21. Feld waren es schon über eine Mil­li­on Kör­ner. Und beim 64. Feld stell­ten die Die­ner fest, dass es im gan­zen Reich des Königs nicht genug Reis­kör­ner gab, um das Brett auf­zu­fül­len. Mit sei­nem Wunsch wur­de der Höf­ling zum reichs­ten Mann im gan­zen Land, und der König wünsch­te, er hät­te ihm nie die Erfül­lung eines Wun­sches versprochen.

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