Warum altgediente Mitarbeiter von Vorteil sind

Jugend vor Alter – oder doch nicht?

Immer wie­der müs­sen Sport­ver­ei­ne har­sche Kri­tik ein­ste­cken, weil sie älte­ren, ver­dien­ten Spie­lern eine Ver­trags­ver­län­ge­rung gewäh­ren. In den meis­ten Sport­ar­ten gilt man mit 30 Jah­ren oder knapp dar­über schon als „zu alt“. Dass sich die betrof­fe­nen Spie­ler in vie­len Jah­ren einen Namen gemacht und bei­spiels­wei­se unzäh­li­ge Tore geschos­sen haben, hat oft­mals wenig Gewicht. In der Pri­vat­wirt­schaft ist das oft nicht anders. War­um es ein Feh­ler ist, auf alt­ge­dien­te Mit­ar­bei­ter zu ver­zich­ten, erklä­re ich in der Folge.

Nutzen vs Kosten

Sie fra­gen sich viel­leicht: Wel­chen Nut­zen haben denn alt­ge­dien­te Team­mit­glie­der? Und ist die­ser Nut­zen wirk­lich grö­ßer als die Kos­ten, die sie verursachen? 

Gehen wir noch ein­mal zurück zum Sport und neh­men wir einen Fuß­ball­ver­ein, der sich dazu ent­schließt, einem älte­ren Spie­ler den Ver­trag noch ein­mal zu ver­län­gern. Nun wird die­ser Spie­ler nicht irgend­je­mand sein, son­dern jemand, der sehr viel für den Ver­ein geleis­tet und sich einen Namen gemacht hat. Ent­spre­chend wird er ver­mut­lich mehr Geld erhal­ten als sei­ne jün­ge­ren Kol­le­gen. Er kos­tet den Ver­ein also regel­mä­ßig mehr. Zusätz­lich kann man davon aus­ge­hen, dass er – auf­grund sei­nes Alters gene­rell und auch durch Vor­ver­let­zun­gen – ver­let­zungs­ge­fähr­de­ter ist als sei­ne jun­gen Mit­spie­ler. Das heißt, er wird mög­li­cher­wei­se öfter aus­fal­len – und auch län­ger, denn auch die Rege­ne­ra­ti­on ver­läuft in jun­gen Jah­ren schneller.

Und viel­leicht, ganz abge­se­hen von eben die­sen Mehr­kos­ten, lässt sich der alt­ge­dien­te, erfah­re­ne Spie­ler auch noch weni­ger beein­flus­sen und sagen. Last, but not least: Er ist auch viel unfle­xi­bler als jun­ge Kol­le­gen und kann sich mög­li­cher­wei­se schwe­rer auf Neu­es und auf Ver­än­de­run­gen ein­stel­len. Also hat der Trai­ner ein schwe­re­res Spiel mit ihm als mit den jun­gen Kollegen.

Nicht nur Wein wird mit dem Alter besser

All das trifft auch in der Wirt­schaft zu. War­um also soll­ten Sie auf ein altes Pferd set­zen? Es kann viel­leicht nicht mehr so schnell lau­fen wie ein Foh­len, aber es weiß, wie es lau­fen muss und kennt den Weg. 

Auf den Vor­wurf, dass der Kader von Bay­ern Mün­chen in die Jah­re gekom­men ist und Leis­tungs­trä­ger den Zenit längst über­schrit­ten haben, ant­wor­te­te Bay­ern-Prä­si­dent Uli Hoe­neß im Jahr 2017: „Für mich gibt es kei­ne alten oder jun­gen Mann­schaf­ten, son­dern nur gute und schlech­te.“ Er füg­te aber hin­zu, dass es auch gelin­gen müs­se, die jun­gen Spie­ler im Schat­ten der Älte­ren her­an­wach­sen zu las­sen. Das sei die Kunst. 

Unter­schät­zen Sie nie­mals die Erfah­rung eines alt­ge­dien­ten Mit­ar­bei­ters. Wenn es Ihnen gelingt, Ihre älte­ren und jün­ge­ren Mit­ar­bei­ter in Ein­klang zu brin­gen, kön­nen alle pro­fi­tie­ren: Sie, das Team, das Unter­neh­men. Vor allem dann, wenn das vor­han­de­ne Wis­sen nicht nur genutzt, son­dern auch wei­ter­ge­ge­ben wird. Stich­wort Wis­sens­trans­fer – vie­le Unter­neh­men wis­sen gar nicht, wie­viel Wis­sen ihnen ver­lo­ren geht, wenn ein alt­ge­dien­ter Mit­ar­bei­ter das Unter­neh­men ver­lässt oder in Pen­si­on geht. Die­ser Wis­sens­trans­fer kann ohne Zeit­druck und mit gro­ßer Sorg­falt von­stat­ten gehen, wenn Sie bei­spiels­wei­se eine Art Men­to­ring-Sys­tem ein­füh­ren, bei dem älte­re Mit­ar­bei­ter die Jün­ge­ren fach­lich und viel­leicht auch hin­sicht­lich ihrer Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung (bei­spiels­wei­se auch beim Umgang mit schwie­ri­gen Situa­tio­nen) unterstützen.

Homogene Teams sind Geschichte

Homo­ge­ne Teams sind längst Geschich­te – gehen Sie mit der Zeit! Sei­en Sie also mutig und kom­bi­nie­ren Sie Erfah­rungs­schatz mit Inno­va­ti­on, vor­han­de­nes Wis­sen mit fri­schen Impul­sen, lang­jäh­rig gepfleg­te Netz­wer­ke mit Social Media, Ver­ant­wor­tungs­be­reit­schaft mit Lernfähigkeit.


Eine Stu­die aus der Schweiz, bei der HR-Mana­ger befragt wur­den, kam zu dem Ergeb­nis, dass bei Bewer­bern 50plus vor allem ihre Lebens­er­fah­rung und ihre vor­han­de­nen Fach‑, Bran­chen- und Spe­zi­al­kennt­nis­se geschätzt werden.
Aber auch die Tat­sa­che, dass sie sich in einem ganz ande­ren Lebens­ab­schnitt befin­den als die jün­ge­ren Kol­le­gen und bei­spiels­wei­se ihre Fami­li­en­pla­nung bereits abge­schlos­sen haben, macht sie zu Mit­ar­bei­tern, auf die Sie zäh­len und mit denen Sie rech­nen können.

Als guter Mana­ger soll­ten Sie aber auch Ihre Kun­den nicht außer Acht las­sen. Denn auch der Kon­takt nach außen kann von Ihren älte­ren Mit­ar­bei­tern pro­fi­tie­ren. Gera­de in der Bera­tungs- und Dienst­leis­tungs­bran­che kann es durch­aus von Vor­teil sein, den älte­ren Mit­ar­bei­ter hin­aus­zu­schi­cken oder ihn dem jün­ge­ren Kol­le­gen zur Sei­te zu stel­len. Nicht nur, weil sich auch hier die Erfah­rung und das vor­han­de­ne Wis­sen posi­tiv aus­wir­ken; auch des­we­gen, weil Sie mit Sicher­heit Kun­den, Kli­en­ten und Geschäfts­part­ner haben, die sich von Ihrem älte­ren Mit­ar­bei­ter bes­ser ver­stan­den füh­len als von jeman­dem, der vie­le Jah­re jün­ger ist als sie selbst. 

Das Zauberwort ist Wertschätzung

Den­ken Sie an Joa­chim Löw und machen Sie es bes­ser. Der deut­sche Natio­nal­trai­ner gab Anfang 2019 das Ende von drei alt­ge­dien­ten Spie­lern in der deut­schen Natio­nal­mann­schaft bekannt und wur­de dafür kri­ti­siert. Die ein­hel­li­ge Mei­nung: Man hät­te die drei Spie­ler wenigs­tens noch ein­mal bei einem Abschieds­match ein­set­zen können.
Daher: Machen Sie es anders! Der Umgang mit einem Mit­ar­bei­ter hat Aus­wir­kun­gen auf die gesam­te Beleg­schaft. Sei­en Sie trans­pa­rent und wert­schät­zend und Ihre Mit­ar­bei­ter wer­den es Ihnen dan­ken. Schließ­lich kön­nen sie dann erwar­ten, eben­so wert­schät­zend behan­delt zu wer­den, wenn sie selbst die älte­ren Mit­ar­bei­ter gewor­den sind.

Wenn Sie Fra­gen, Kom­men­ta­re oder Anmer­kun­gen haben, freue ich mich dar­auf, in mei­ner Kom­men­tar-Sek­ti­on von Ihnen zu lesen!

Ihr Andre­as Klement

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